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COLUMBIA Hotel Casino Travemünde – Geschichte, Gegenwart, Visionen

COLUMBIA Hotel Casino Travemünde – Geschichte, Gegenwart, Visionen

 

 

CASINO TRAVEMÜNDE – Renaissance einer Seebad-Legende

 

Als „Conversationshaus“ war das heutige COLUMBIA Hotel Casino Travemünde einst geplant. Dann wurde es Kursaal, Casino und Treffpunkt der Reichen, Schönen und Berühmten. An den Spieltischen trafen sich Aristoteles Onassis und Sophia Loren, im Nachtclub „Belle Epoque“ traten Laie Andersen, Josefine Baker und die Kessler-Zwillinge auf. Heute steht der Name „La Belle Epoque“ für Gourmet-Cuisine, das Hotel für ein modernes Ferienparadies in historischem Rahmen. Die Geschichte eines Wandels.

 

Im Prinzip war der Name „Conversationshaus“ gut gedacht. Das Seebad Travemünde sollte einen anspruchsvollen Ort der Begegnung bekommen – mit einem repräsentativen Saal für unterhaltsame Konzerte und glanzvolle Bälle, mit Geschäften und einem großen Restaurant. Doch als der imposante Bau am 30. Mai 1914 mit einem Festkonzert der Kurkapelle eröffnet wurde, hatte sich die Bürgerschaft für den unverfänglicheren Titel „Kursaal“ entschieden: Der Volksmund hatte aus dem „Conversationshaus“ längst ein „Konservenhaus“ gemacht.

 

470.000 Goldmark hatte die Lübecker Bürgerschaft für den großzügig angelegten Bau bereitgestellt. Ein Arkadengang mit Läden prägte die Seiten zur Kaiserallee, breite Terrassen öffneten sich zur Ostsee. Im Inneren strahlten zwei geräumige Treppenhäuser in Gelb und Weiß und brachten die Gäste zu Festsaal und Lesesaal, Restaurations- und Clubräumen, Damen-, Spiel- und Billardzimmern. Die „Lübeckschen Blätter“ bejubelten das Haus mit folgenden Worten: „Das Schönste bleibt die unvergleichliche Lage, dieser köstliche Blick auf das Meer, der die Augen Farbe trinken, in Farben schwelgen lässt.“

 

Der Rubel rollt – Travemündes erster Boom

Zu dieser Zeit hatte Travemünde seine erste Blüte bereits hinter sich. 1802 war das Fischerdorf zum Seebad erklärt worden – als dritter deutscher Ort an der See nach Heiligendamm und Norderney. Der Ansturm auf das Ostseebad begann um 1824 mit den Dampfschiffverbindungen von und nach Kopenhagen, Riga und St. Petersburg. Interessant waren vor allem die Verbindungen ins Zarenreich – sie brachten die reichen Russen in das Städtchen. Schnell wurde Travemünde zum Treffpunkt der Prominenz, was auch mit der Gründung der Spielbank 1833 zusammenhing. Tagsüber genossen die Herrschaften die heilende Kraft des Meers, nachts verloren sie sich in der Macht des Geldes. Dichter wie Fjodor Dostojewski, Iwan Turgenjew oder Nikolai Gogol, aber auch der Komponist Richard Wagner zählten zu den prominentesten Gästen des Casinos. Doch die Spielbank stand im Kreuzfeuer der Kritik und wurde 1872 per Gesetz geschlossen – im Jahr der verheerenden Sturmflut.

 

Gut 40 Jahre später sollte nun der Kursaal zum neuen Anziehungspunkt des Seebades werden. Ein Veranstaltungsplan stand bereits – mit Theaterstücken, Kabarett und Tanz, sogar der unmoralische Tango wurde empfohlen. Doch der beginnende Weltkrieg machte Travemünde einen Strich durch die Rechnung. Erst in den Goldenen Zwanzigern wurde der Kursaal zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Die Travemünder Woche, Reit- und Poloturniere, Motorsport- und Flugveranstaltungen lockten viel Publikum ins Ostseebad, und die schönen Säle und Terrassen erlebten Kammermusik und Sinfoniekonzerte, Theater und Tanz, Feuerwerke und prächtige Illuminationen.

 

In den 30er Jahren wurde unter der Regie der neue Pächterin Martha Langer – besser bekannt als „Madame“, denn ihr gehört der halbe Kurort – einiges verändert. Neue Läden zogen im Erdgeschoss ein, außerdem eröffnete eine Bar für prominente Gäste samt Bierstube für deren Chauffeure. Neben den Kurkonzerten veranstaltete „Madame“ ihr eigenes Musikprogramm im Kursaals und unter freiem Himmel. Das ganze Areal war voller Leben, nur im Winter blieb das Gebäude geschlossen – dann lagerten die Strandkörbe im großen Saal.

 

Die Belle Epoque – der Kursaal wird Casino

Der Zweite Weltkrieg setzte dieser Zeit ein Ende, 1944 wurde der Kursaal ebenso wie die Hotels und Schulen zum Lazarett. Nach dem Krieg nutzten die Briten den Bau vorübergehend zur Truppenbetreuung, bevor die große Wende kam: Am 5. Juni 1949 wurde der Kursaal zum Casino umfunktioniert. Travemünde konnte sich bei der Vergabe der Spielbank-Konzession gegen Bad Segeberg durchsetzen – unter anderem wegen seiner Glücksspiel-Tradition und weil der Kursaal als geeignetes Gebäude betrachtet wurde. Henri Neid von der Casino-Betriebs-Gesellschaft mbH & Co erhielt den Zuschlag für den Spielbankbetrieb und er kündigte den Travemündern „Abwechslung vom tristen Alltagsleben“ an.

 

Neid machte sein Versprechen wahr. Das beginnende Wirtschaftswunder läutete die goldene Ära der Travemünder Spielbank ein. Prominente wie Curd Jürgens, Kaiserin Soraya von Persien, Aristoteles Onassis, Kirk Douglas, Sophia Loren suchten ihr Glück am Spieltisch und vergnügten sich in den verschiedenen Hot-Spots des Casinos. Neben der erstklassigen Gastronomie genoss der Nachtclub „Belle Epoque“ einen legendären Ruf. Stars wie Lys Assia, Laie Andersen, Vico Torriani, Marlene Charell, Josefine Baker, die Kessler-Zwillinge, Bruce Low oder Roberto Blanco traten hier auf. Von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr morgens gab es in mindestens einem der Casino-Betriebe Musik, die Spielbank florierte und führte Millionenbeträge an Stadt und Land ab.

 

Bis in die späten 60er Jahre dauerte der Boom. In den 70ern ging das Geschäft zurück – viele neue Spielbanken waren in kurzer Zeit eröffnet worden. Travemünde schaffte es, sich seine Attraktivität gegenüber der immer stärker werdenden Konkurrenz zu erhalten, doch das gesellschaftliche Leben wurde stiller und beschaulicher, der Hype war vorbei.

 

Neuer Glanz in alten Hallen – das Casino als Luxushotel

Heute strahlt der fast hundert Jahre alte Kursaal-Bau wieder in blendendem Weiß. Seit 2005 residiert hier das COLUMBIA Hotel Casino Travemünde – ein Fünf-Sterne-Luxushotel mit großer Presse. Chefkoch Kevin Fehling holte für das Restaurant mit dem verheißungsvollen Namen „La Belle Epoque“ einen Stern im Guide Michelin. Das Haus wurde zum Partner renommierter Veranstaltungen wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Schleswig-Holstein Gourmet-Festival. Und auch die Kugel rollt wieder im Casino.

 

Mit dem traditionsreichen Kursaal ist auch Travemünde wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Maritime Events wie die Travemünder Woche, Power-Boat-Rennen, die Baltic Sail oder das Sandskulpturen-Festival ziehen Tausende von Besuchern an. Die elegante Kaiserallee und die Strandpromenade – unbestritten eine der schönsten im ganzen Land – ziehen ein junges, modernes Publikum an. Seebad-Flair und Dolce Vita am breiten Sandstrand, das rege Hafenleben und der unwiderstehliche Blick auf die ein- und auslaufenden Schiffe, Spa-Vergnügen und lässige Lounges wie das kaffeehouse im alten Casino machen den besonderen Charme Travemündes aus.

 

Dass die Übernachtungszahlen jährlich deutlich steigen, liegt aber auch an der traumhaften Natur rund um das idyllische Seebad in der Lübecker Bucht. Einzigartig und überwältigend das Brodtener Ufer – eine spektakulär hohe Steilküste mit einer enormen Vielfalt verschiedener Vogel- und Pflanzenarten. Auch der Naturpark Holsteinische Schweiz ist ein wahres Kleinod mit über 200 Seen und Teichen, tiefen Wäldern und duftenden Hecken, Schutzgebieten für seltene Pflanzen und Tiere sowie unendlich vielen Freizeitmöglichkeiten.

 

Visionen zum Schwärmen – „Conversation“ über dem Meer

Und nun soll Travemünde noch ein neues Highlight bekommen. Mäzenin Lisa Dräger will der Stadt zu einer Seebrücke verhelfen. Die Pläne für das Zehn-Millionen-Euro-Projekt sind bereits fertig: Ein hölzernes Band, das 500 Meter weit ins Meer hinaus reicht, mit Liegestühlen für die Sonnenanbeter und einem „Café über dem Meer“. Sicher ein herrlicher Ort der Begegnung und der „Conversation“ – für ein Seebad, das Thomas Mann mit nicht zu überbietendem Lob bedachte: „In Travemünde, dem Ferienparadies, wo ich die unzweifelhaft glücklichsten Tage meines Lebens verbracht habe (…) gingen das Meer und die Musik in meinem Herzen eine ideelle, eine Gefühlsbindung für immer ein.“



 

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